Headline: Organisatorische Transformation in der Europäischen Kommission

Das Zentrum für organisatorische Transformation unterstützt die Europäische Kommission bei der Umgestaltung ihrer Arbeitspraktiken.
Das Zentrum für organisatorische Transformation unterstützt die Europäische Kommission bei der Umgestaltung ihrer Arbeitspraktiken. RIFS

Eine systemische Nachhaltigkeitstransformation erfordert grundlegende Veränderungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Ein beträchtlicher Veränderungsbedarf besteht in den Organisationsstrukturen der politischen Verwaltung und Entscheidungsfindung. Viele der hier vorherrschenden Strukturen entstammen eher traditionellen Denkweisen, die den komplexen, vernetzten Krisen und Herausforderungen der Gesellschaften nicht gerecht werden. Traditionelle Verwaltungsstrukturen sind wenig belastbar und anpassungsfähig. Viele der in ihnen Tätigen erfahren Überlastung und Frustration, weil sie ihre Handlungsfähigkeit als eingeschränkt erleben. Dies spiegelt sich in steigenden Burnout-Raten und anderen negativen Gesundheitsergebnissen wider.

Vor diesem Hintergrund ist es ein wichtiges Anliegen der Forschungsgruppe TranS-Mind (Transformative Spaces and Mindsets), Prozesse und Strukturen zu erforschen und zu fördern, die es Individuen und Gruppen ermöglichen, in einem gesunden Umfeld transformativ zu handeln. Kürzlich hatte das TranS-Mind Team die Gelegenheit, sich über neue und innovative Ansätze innerhalb der Europäischen Kommission zu informieren, die sich mit dieser Thematik beschäftigen.

Valerie Voggenreiter und Antonella Tarallo vom Referat Corporate Organisational Change Unit A3 (HR Unit A3) der Generaldirektion Humanresources and Security (DG HR) stellten wesentliche Überschneidungen in ihrem Verständnis von Transformation fest. Dies eröffnete die Möglichkeit des gegenseitigen Lernens und der Inspiration zwischen TranS-Mind und der HR Unit A3. Das Interesse wuchs als wir erfuhren, dass der Lenkungsausschuss für Informationsmanagement der Europäischen Kommission kürzlich das Zentrum für organisatorische Transformation (Centre) gegründet hat: ein Team von etwa 35 Mitarbeitenden (politische Beamte und Wissenschaftler:innen) aus verschiedenen Abteilungen der Europäischen Kommission, wie der GD HR, dem Joint Research Centre (JRC), der IT-Abteilung, dem Generalsekretariat und der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologie. Das Centre wurde eingerichtet, um die Kommission bei der Umgestaltung ihrer Arbeitspraktiken zu unterstützen, beispielsweise durch die Möglichkeit, sektorenübergreifend innerhalb der Kommission zu wirken und dem verstärktem Anwenden partizipativer Methoden. Im Einzelnen bietet das Centre

•    Konsultation, strategische Beratung und Unterstützung bei Transformations- und Kooperationsprozessen
•    Aufbau von Kapazitäten und Unterstützung von Kollegen bei der Einführung kollaborativer und flexiblerer Arbeitsmethoden
•    Koordination des Collaboration Hub, einer Praxisgemeinschaft für organisatorischen Wandel.
•    Wissenschaftliche Beratung zu Wissensaustausch, Zusammenarbeit und neuen Arbeitsmethoden
•    Aufbau strategischer Partnerschaften mit anderen Institutionen

Im Oktober 2023 besuchten Felix Beyers, Thomas Bruhn und Valerie Voggenreiter die Kolleg:innen in Brüssel, um die Arbeit des Centre besser zu verstehen und Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit auszuloten.

Eine systemische Nachhaltigkeitstransformation erfordert grundlegende Veränderungen auch in den Organisationsstrukturen der politischen Verwaltung und Entscheidungsfindung.
Eine systemische Nachhaltigkeitstransformation erfordert grundlegende Veränderungen auch in den Organisationsstrukturen der politischen Verwaltung und Entscheidungsfindung. RIFS / Voggenreiter

Wir konnten an einer Reihe regelmäßiger Sitzungen teilnehmen. Darunter eine Teamreflexion und eine Sitzung des Verwaltungsrats der GD HR. Dies ermöglichte einen tieferen Einblick in die interne Logik und Struktur der Einrichtung. Wir haben viele gemeinsame Interessenbereiche sowie Resonanzen in Bezug auf unser Forschungsinteresse erkannt. Partizipative Führungspraktiken und -prinzipien werden in der Europäischen Kommission bereits seit Jahrzehnten angewandt, um die organisatorischen Grenzen von Top-Down-Entscheidungen zu verschieben und ganzheitlichere Ergebnisse zu fördern, was für uns eine großes Interessensfeld darstellt. Eine weitere wichtige Überschneidung ist die Fürsorge um die Menschen in unseren jeweiligen Arbeitsumgebungen, die ihre Aufgaben mit großem Engagement innerhalb von unter hohem Druck stehenden, hierarchischen, lösungs- und ergebnisorientierten Strukturen erfüllen. Ähnlich wie das TranS-Mind-Team strebt das Centre danach, Kolleg:innen zu unterstützen, indem es Veränderungen von innen heraus fördert, etwa durch communities of practice, die Gestaltung partizipativer Führungsseminare und den Nutzen ko-kreativer Methoden sowie ihr wissenschaftliches Interesse daran, was dies für eine größere Wirkung bedeutet.

Wir haben festgestellt, dass unsere Kolleg:innen in der Kommission vor ähnlichen Herausforderungen und Fragen stehen: Wie kann die Spannung zwischen strukturellem Druck und dem Streben nach kreativer Freiheit zu einer Ressource für positiven Wandel werden? Welche Strukturen ermöglichen oder verhindern einen tiefgreifenden Wandel und können realistischerweise von innen heraus verändert werden? Welche Elemente der "alten" Struktur können möglicherweise auch losgelassen werden? Welche anderen Elemente müssen im Gegenzug neu eingeladen werden? Wie viel transformatives Handeln ist "von innen" möglich und inwieweit ist es notwendig, reflektierende Partner von außen einzubeziehen, um die eigenen Vorurteile zu überwinden? Und wer kann das Risiko und die Verantwortung für diese Veränderungen übernehmen und neue und vielleicht experimentelle Ansätze "legitimieren" oder "beauftragen"?

Beide Institutionen streben organisatorischen Wandel an und fördern dabei interne als auch externe Zusammenarbeit sowie Partnerschaften. Beide sind darauf bedacht, ein sinnvolles und gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen. Dabei sollen Führungspersönlichkeiten, Rollen und die Kultur der Mitarbeiter:innen gleichermaßen berücksichtigt werden. Beide müssen jedoch die seit langen bestehenden starren Organisationsstrukturen benennen und aufbrechen. Der Fokus des Centres auf partizipatorische Führungspraktiken und -prinzipien geht beispielsweise auf konkrete Entscheidungen von Kommissionsleitenden zurück, die das Risiko auf sich genommen haben, neue Wege auszuprobieren, und eine breitere Akzeptanz der Mitarbeitenden für organisatorische Veränderungen erlangen. Die Institutionalisierung solcher transformativen Prinzipien erfordert daher kontextbezogene Sensibilität und langfristiges Engagement. Dies ist in der Praxis eine Herausforderung, insbesondere wenn sich bedeutende Rahmenbedingungen ändern (z. B. nach den Europawahlen im Juni 2024). Nichtsdestotrotz bauen die bestehenden Experimente bereits transformative Kapazitäten auf und bieten viele Erkenntnisse für andere, die sich in ähnliche Richtungen bewegen.

Wir sind dankbar und inspiriert von den Einsichten und Erfahrungen, die wir gewinnen konnten, und beeindruckt von den Bemühungen, die wir innerhalb der Europäischen Kommission beobachten konnten. Trans-Mind und das Centre for Organisational Transformation sind bestrebt, Freiräume zwischen den bestehenden Organisationsstrukturen zu schaffen und den Wert der (internen und externen) Reflexion anzuerkennen, um unseren Einfluss auf die gewünschten Transformationsprozesse weiter auszubauen. Gemeinsam erkundeten wir das Gleichgewicht zwischen Freude und Druck, Wissenschaft und Praxis sowie die Bedeutung von Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit in diesem Bestreben. Sicherlich werden wir weiterhin untersuchen, welche nächsten Schritte sich für unsere Teams und Institutionen in unserer transdisziplinären Zusammenarbeit und Partnerschaft ergeben können.

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